Die vier Gemäldeportraits zeigen den Erbauer des Château de Montcaud, Alexandre Eugène Collain und drei seiner Nachkommen. Das in der Provence, Südfrankreich gelegene Anwesen wurde in den 1990er Jahren erstmals in ein Hotel umgebaut und nach extensiver Renovation im Sommer 2018 neu eröffnet.

Geschichte: Ein Schloss in Südfrankreich

Es gibt Schlösser, die als wehrhafte Trutzburgen geplant wurden. Und es gibt einen leichtfüssigen, lebensfrohen Gegenentwurf: das Château de Montcaud. Erbaut wurde es von Alexandre Eugène Collain, der durch den Seidenhandel zu grossem Wohlstand gelangte. 1848 erwarb er im Norden des Languedoc-Roussillon ein Stück Land, um seinen Lebenstraum zu verwirklichen: ein eigenes Schloss zu besitzen.

Der würdige Nachfolger

Florentin Collain, sein Sohn, schrieb den Traum fort. Nachdem seine Schwester tragischerweise nach ihrer Hochzeitsreise an Malaria starb, hielt er als nunmehr einziger Nachkomme die humanistische Tradition seines Vaters hoch. Er war ein grosser Pferde- und Musikliebhaber, beschäftigte ein eigenes Orchester und veranstaltete zahlreiche Konzerte im Schloss.

Ein Herz für die Provence

Zum Bürgermeister der Ortschaft Sabran gewählt, machte er sich einen Namen als Förderer der Schulen sowie der Kultur und der Musik. Viele Projekte bezahlte er dabei aus eigener Tasche: So verfügte die nahe gelegene Stadt Bagnols-sur-Cèze dank Florentin als erster Ort der Region über einen Telefonanschluss. Auch heute noch zeugen die Kirche von Combes sowie zahlreiche Brunnen, die er mit eigenen Mitteln bauen liess, von seiner Grosszügigkeit.

Verdienter Ritterschlag

Für die damalige Zeit bemerkenswert war auch sein Einsatz für das Schicksal derer, denen das Leben nicht so wohlgesonnen war: Landarbeiter, Diener, Arbeiterinnen und Arbeiter. Als Generalrat des Departements Gard und Bürgermeister von Sabran war er mehr als 38 Jahre lang um die sozialen Belange dieser Menschen besorgt. Seiner echten Aufmerksamkeit für andere und seinen guten Taten hatte er es mit zu verdanken, dass er 1934 in den Rang eines Ritters der Ehrenlegion erhoben wurde.

Umbau zum Schlosshotel

Florentin Collain verkaufte das Schloss an seinen Patensohn Paul Constant, der es später an seine sieben Kinder vererbte. Das Schloss wechselte mehrmals den Besitzer, bevor es der Hotelier Rudy Baur 1992 aus seinem Dornröschenschlaf erweckte und in ein Hotel umwandelte.

Wiedereröffnung in neuer Pracht

Nach der Schliessung im Jahr 2013 fiel das Château erneut in einen tiefen Schlaf. Ende 2016 kaufte der Schweizer Industrielle Jürg Witmer das Anwesen. Er setzte sich zum Ziel, ein Hotel mit Parklandschaft aufzubauen, welches erkennbar anders sein und neue Massstäbe in der Region setzen sollte. Umbau und Betrieb liegen in den Händen seines Schwiegersohns Rolf Bertschi, eines international erfahrenen Hoteliers, und seiner Tochter Andrea. Sie sollen den ursprünglichen Geist des Schlosses wieder aufleben lassen und dem Château de Montcaud zu neuer Blüte verhelfen.

Kurzchronik

1848
Alexandre Eugène Collain, durch seine Tätigkeit als Seidenfabrikant zu grossem Vermögen gekommen, erwirbt das Gut Montcaud mit hundert Hektar Ackerland.

1848 bis 1892
Er entwirft das Schloss und seine Nebengebäude und initiiert dessen Bau sowie die Bepflanzung der Parkanlagen.

1875
Collain veranstaltet einen grossen Empfang zur Eröffnung des Château de Montcaud.

1898
Alexandre Eugène Collain stirbt. Florentin, Collains einziger Sohn, erbt das Anwesen.

1892 bis 1934
Florentin Collain wird zum Bürgermeister der Gemeinde Sabran gewählt und wird dieses Amt 38 Jahre lang ausüben.

1939
Collain verkauft das Schloss an seinen Patensohn Paul Constant, der es später an seine sieben Kinder vererbt.

1963
Der älteste Sohn von Paul Constant kauft das Schloss von der Erbengemeinschaft. Nach dem Einzug ins Pförtnerhaus lässt er das Château in einen Dornröschenschlaf fallen.

1990
Das Anwesen wird an Rudy Baur verkauft.

1992
Rudy Baur, Provence-Enthusiast und Hotelier, weckt das Schloss aus seinem tiefen Schlaf und eröffnet das Château de Montcaud nach einer zweijährigen Umbauphase als Hotel.

2013
Das Château de Montcaud schliesst.

2016
Der Industrielle Jürg Witmer ersteigert das Schloss samt der zugehörigen Parkanlage.

2017 bis 2018
Das Château de Montcaud wird umfassend modernisiert und umgebaut. Die Parkanlage erfährt eine Neugestaltung nach Originalplänen.

2018
Das Schlosshotel öffnet seine Pforten in neuem Glanz.